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Ein neues Alphatier

Ein neues Alphatier

Um ehrlich zu sein: Ich musste wegschauen. Ich konnte vier Jahre lang fast keine News über das weisse Haus sehen. Das hat sich zum Glück geändert mit der Wahl von Joe Biden und Kamala Harris, die mich mit ihren Reden sehr berührt haben. Was wäre, wenn Harris einmal Präsidentin würde?

Vier dunkle Jahre

Spätestens nach dem Skandal um das „Pussy-Grabbing“ und den „Alternative Facts“ über die Zahl der Menschen, die angeblich an der Inaugurationsfeier teilgenommen hatte, war Schluss. Trump emotionaliserte mich so sehr, das ich die US-Politik nur noch via Echo der Zeit aushalten konnte: schön distanziert und professionell aufbereitet. Virale Youtube-Videos, Memes und besonders die Tweets des US-Präsidenten tat ich mir jedoch nicht an.

Dabei verbindet mich mit den USA so einiges: Ein Austauschjahr, das ich mit 17 Jahren in den Rocky Mountains verbracht habe. Meine Lieblingsstadt New York. Die Sehnsucht nach Weite und unbegrenzten Möglichkeiten. Die Freundschaften, das Interesse für das Land und die Liebe für die Menschen dort sind mir stets geblieben. Vielleicht hat mich deshalb die Rede des designierten Präsident der USA, Joe Biden, zu Tränen gerührt. Endlich wieder jemand, der mit Wärme über andere Menschen spricht. Es fühlte sich an wie Licht zu sehen nach einem langen Tunnel.

Zeitenwende

Sein Zeichen, mit Kamala Harris einer farbigen Frau den Weg ins höchste Amt der USA zu ebnen, spricht für eine neue Zeit, die anbricht. Die Chance, dass das Land eines Tages von ihr präsidiert wird, wurde zu recht von vielen Frauen und Männern auf der ganzen Welt gefeiert. Wie sie es in ihrer Rede sagte, wird sie vielleicht die erste Frau in einer Regierungsposition im weissen Haus sein, aber bestimmt nicht die letzte. 

„While I may be the first woman in this office, I will not be the last.“

Kamala Harris

Bidens Schachzug hat aber auch gezeigt: Gleichberechtigung funktioniert nur im Zusammenspiel der Geschlechter und nicht im Gegeneinander. Und doch hätte Biden wohl ohne die #metoo und #blacklivesmatter- Bewegungen wohl nicht auf Kamala Harris gesetzt. Der Druck der Strasse hat gewirkt – auch auf ihn, den weisen alten Mann, der vielleicht zum Königinnenmacher wird.

Harris als Alphatier

Die Generation Alpha, dazu gehören die ab 2010 geborenen Kinder, wird jedenfalls mit grosser Wahrscheinlichkeit mit einer amerikanischen Präsidentin aufwachsen. Noch immer hat dieses Amt eine grosse Ausstrahlung, ihre Amtsträger bzw. ihre Konterfei sind weltweit bekannt. Mich erfüllt es mit Hoffnung, dass eine Präsidentin ein Vorbild für meine Töchter sein wird – und sie in den Medien eine Frau zuhören werden, die jedem Kind die Kraft der Träume eröffnet, etwas sein dürfen oder zu werden, das es bisher noch nicht gab. So wie eine Präsidentin der USA.

Ich wünsche mir zutiefst, dass dieses Gespann Vieles in den nächsten Jahren wettmachen kann, was jahrelang brach lag. Hoffnung, Einigung, Bescheidenheit und Wahrheit. Die Welt braucht eine USA, die zurück ins Abkommen von Paris kommt, das systematische Diskriminierung bekämpft und den Menschen in Würde leben lässt.